Murphy&Spitz Umweltfond setzt auf Steico, Engergiekontor, Clearvise, Centrotec und Fielmann.

Interview vom 27.11.2023 mit Frau Sandra Murphy

Über den Murphy&Spitz Umwelfonds Deutschland A

Bitte geben Sie uns einen kurzen Überblick über Ihr Team und über Ihren Fonds Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland A.

Der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland (WKN A0QYL0) investiert nach dem so genannten Best-of-Class-Ansatz ausschließlich in Unternehmen nachhaltiger Branchen. Dabei fokussiert er sich auf kleine und mittelständische Unternehmen mit Geschäftstätigkeit in Deutschland. Sein Ziel ist, nicht nur eine angemessene Rendite zu erzielen, sondern zusätzlich einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Somit ist der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland auch als Artikel-9-Fonds nach SFDR klassifiziert. Initiiert und gemanagt ist der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland von der Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung. Diese ist bereits seit 1999 auf ethisches und ökologisches Investment spezialisiert. Grundlage aller Investmententscheidungen sind die Analysen des hauseigenen Research-Teams, das ebenfalls seit über 24 Jahren nachhaltige Branchen und Unternehmen analysiert.

Der Investmentprozess

Bitte geben Sie uns einen kurzen Einblick in Ihren Investmentprozess. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob eine Aktie den Weg Ihren Fonds schafft oder nicht?

Um sein Anlageziel zu erreichen, investiert der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland in ausgewählte Unternehmen, die durch ihre Produkte oder Dienstleistungen nachhaltig positiv auf die Umwelt (ökologische Nachhaltigkeitsziele) oder die Gesellschaft (soziale Nachhaltigkeitsziele) wirken. Bei der Identifikation möglicher Investments vollziehen wir einen dreistufigen Analyse- und Auswahlprozess. In einem ersten Schritt setzen wir Positivkriterien an. Hierzu wurden konkrete Wirtschaftsaktivitäten bzw. Branchen identifiziert, die eine nachhaltige Wirkung haben. Das sind:

– Erneuerbare Energie,

– Nachwachsende Rohstoffe,

– Energieeffizienz,

– Nachhaltige Mobilität,

– Ökologisches Bauen,

– Naturkost und ökologische Landwirtschaft,

– Gesundheit,

– Bildung und Wasser.

Lässt sich ein Unternehmen einem oder mehreren dieser Positivkriterien zuordnen, überprüfen wir, ob Ausschlusskriterien verletzt werden, die unser Anlageziel beeinträchtigen würden. Dies ist die so genannte „Do No Significant Harm”-Prüfung. Ausschlusskriterien sind ganze Branchen und Unternehmen, deren Geschäftsfelder inhärent nicht nachhaltig sind, die aufgrund ihrer Geschäftspraktiken nicht nachhaltig sein können oder denen hohe Nachhaltigkeitsrisiken inhärent sind. Das sind konkret:

  • Kernenergie;
  • Fossile Energieträger;
  • Bergbau;
  • Waffen, Rüstung und Militärtechnologien;
  • Chlor- und Agrochemie;
  • Grüne Gentechnologie;
  • Drogen inkl. Tabak und Alkohol;
  • Prostitution und Pornographie;
  • Glücksspiel;
  • Massentierhaltung;

Darüber hinaus schließen wir Unternehmen aus, die gegen normbasierte Kriterien verstoßen:

  • k) Verletzung von Menschenrechten;
  • l) Verstöße gegen die Grundsätze der International Labor Organization (ILO) Kernarbeitsnormen;
  • m) Verstöße gegen die Prinzipien des UN Global Compact;
  • n) Durchführung von vermeidbaren Tierversuchen; und
  • o) Involvierung in Korruption oder Geldwäsche.

In einem dritten Schritt prüfen wir ausgewählte wichtige Indikatoren für nachteilige Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren, die „principal adverse impacts“ oder „PAI“. Dazu zählen Klimaindikatoren und weitere umweltbezogene Indikatoren, wie z.B. Treibhausgas-Emissionen, CO2-Fußabdruck oder Emissionen in Wasser, und Indikatoren in den Bereichen Soziales und Beschäftigung, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Dies sind z.B. Verstöße gegen die UNGC-Grundsätze und gegen die Leitsätze der Organisation

für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für multinationale Unternehmen, fehlende Prozesse und Compliance-Mechanismen zur Überwachung oder gegen das Gebot der Geschlechtervielfalt in den Leitungs- und Kontrollorganen. Erst wenn ein Unternehmen alle drei Prüfschritte mit positivem Ergebnis durchlaufen hat, wird es in unser Anlageuniversum aufgenommen. Die Kriterien werden außerdem laufend überprüft. Für ein tatsächliches Investment dienen dann natürlich die wirtschaftlichen Analysen als Grundlage.

Grüne Fonds & Rendite

Können „grüne Fonds“ genauso profitabel wie Fonds ohne solche Auflagen sein?

Es ist erstaunlich, dass diese Frage immer noch gestellt wird. Die Annahme, die dahintersteckt ist ja, dass „grüne“ Unternehmen wirtschaftlich schwächer seien als konventionelle. Dabei wird völlig ausgeblendet, dass „grüne“ Unternehmen in Zukunftsbranchen tätig sind. Sie sind in den Branchen aktiv, die Lösungen für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit bieten.

Ein Beispiel: Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat gezeigt, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und damit von kontroversen Staaten auch jenseits der negativen Folgen auf den Klimawandel nicht erwünscht sein kann. Erneuerbare Energien und Lösungen für eine maximal effiziente Nutzung bzw. Speicherung der Energie sind hier notwendige Lösungen.

Also: natürlich können „grüne Fonds“ genauso profitabel sein, wie Fonds ohne Nachhaltigkeitskriterien. Studien und Metastudien haben dies im Übrigen schon vielfach belegt. Darüber hinaus erwirken sie – sofern sie ihren Nachhaltigkeitsanspruch ernst nehmen – noch eine weitere Rendite. Sie lenken ganz im Sinne des European Green Deal Finanzströme in nachhaltige Wirtschaftszweige und tragen zu einem nachhaltigen Wandel bei.

Investmentquote

Die Zinsen sind auf einem hohen Niveau angekommen – eher eine schlechte Zeit für Aktien. Wie hoch ist Ihre aktuelle Investmentquote im Bereich Aktien, und nach welchen Gesichtspunkten werden Sie diese erhöhen oder reduzieren?

Die Aktienquote im Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland liegt per 31.10.2023 bei 90,59%.

Ausblick auf 2024

„There is no alternative“ ist inzwischen nicht mehr aktuell – der Aktienmarkt hat Alternativen! Wie fällt Ihr Ausblick für den Aktienmarkt in 2024 aus?

Der Ausblick ist gut. Wir erwarten, dass der Aktienmarkt 2024 aus dem Krisenmodus herausfindet und sich wieder auf das Wesentliche konzentriert: attraktive Geschäftsmodelle mit guten Zukunftsaussichten. Und genau damit sind wir dann wieder bei nachhaltigen Branchen, wie Erneuerbare Energien, Gesundheit, Energieffizienz und ökologisches Bauen.

Größte Aktienpositionen im Fond

Bitte geben Sie uns einen kurzen Überblick über Ihre drei bis fünf größten Aktienpositionen und dem Investment Case zur jeweiligen Aktie.

  • Novo Nordisk: Wir sind schon lange in dem Spezialisten für Insulin investiert. Die Zuverlässigkeit des Managements, die Fokussierung des Geschäftsmodells, Umsatz- und Gewinnwachstum sind seit Jahren herausragend.
  • Energiekontor: Den Bremer Projektierer und Betreiber von Windkraftanlagen covern wie seit dem Börsengang. Er zeichnet sich durch gutes Management und Fokussierung auf seine Kernkompetenz aus, und zwar seit dem Eintritt in den Kapitalmarkt.
  • Steico: Der Hersteller von ökologischen Dämmstoffen hat in diesem Jahr underperformed, aber wir haben die Position ausgebaut. Die Zahlen haben sich in 2023 nicht wie erwartet entwickelt. Aber operativ kann sich das Unternehmen der negativen Branchenentwicklung teilweise entziehen, da Gebäudedämmung ein Zukunftsthema bleiben wird. Das Geschäftsmodell ist so attraktiv und vielversprechend, dass mit Kingspan eine Größe der Branche von dem Mehrheitseigentümer 51% übernommen hat. Der Kaufpreis je Aktie liegt bei € 35,- plus. Diesen Aufschlag kann es geben, wenn bis 2026 die alten Umsatz- und Ergebniskennzahlen wieder erreicht werden. Dann ist ein Aufschlag bis zu 100 % möglich. Der Aktienkurs hat folglich einen Boden bei € 35,- gezogen bekommen.

Zukunftsbranche mit Potential

In welchen Branchen sehen Sie in den nächsten 2-3 Jahren derzeit am meisten Potential?

Das größte Potenzial sehen wir in der Erneuerbare-Energien-Branche. Die Ausbaupläne liegen bei den Projektierern in den Schubladen und die Renditen sind durch den weiterhin anhaltenden Preisrückgang für Photovoltaik-Komponenten gestiegen. Beruhigt sich der Finanzierungszins, so gehen wir von einem erheblichen Wachstum in der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland und Europa aus.

Watchlist-Aktien bei Murphy&Spitz

Können Sie hierzu etwas konkreter werden und Aktien nennen, die sich derzeit auf Ihrer Watchlist befinden?

Investments befinden sich nur kurz auf unserer Watchlist. Entweder sie finden rasch ihren Weg ins Portfolio oder nicht. Wir haben Positionen bei SMA Solar, der Umweltbank, Fielmann und clearvise ausgebaut.

SMA Solar hat schon mehrfach dieses Jahr die Prognose nach oben angepasst. Das Unternehmen generiert seinen Umsatz im Wesentlichen in Deutschland und Europa und nicht in den USA, wo der Markt schwach performt.

Die Umweltbank hat dieses Jahr mit Einmaleffekten zu kämpfen, die das Ergebnis belasten. Dies sollte nächstes Jahr keine Rolle mehr spielen.

Fielmann kommt aus einem “Tal der Tränen” liefert aber wieder positive Kennzahlen. Die beiden take over in den USA unterstreichen die internationale Expansion und senken die Abhängigkeit von Entwicklungen in einzelnen Ländern.

Bei clearvise als Betreiber von Wind- und PV-Parks hat ein Minderheitsaktionär, der derzeit wohl knapp 18 % hält, beim Bundeskartellamt Anteils- und Kontrollerwerb an der clearvise AG angemeldet. Solche Ausnahmesituation sind meistens etwas für Investoren mit langem Atem und klarer Vorstellung, was ihre Aktie wert ist.

Positioniert haben wir uns auch bei Steico und Centrotec. Mal schauen, was da noch kommt. Operativ jedenfalls laufen die Unternehmen gut.

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